Für die, die keine Zeit haben: Gehackte Instagram-Profile werden gezielt genutzt, um Freunde mit gefälschten Krypto-Tipps zu betrügen. Der Betrug beschränkt sich nicht auf Instagram, sondern taucht auch auf TikTok und anderen Plattformen auf.
Identitätsdiebstahl auf Social Media ist ein ernstes Risiko
Gehackte Instagram-Profile sind aktuell eines der häufigsten Werkzeuge für Online-Betrug. Immer mehr Nutzerinnen und Nutzer erhalten Nachrichten von bekannten Personen, die plötzlich von angeblich sicheren Krypto-Investitionen berichten. Screenshots mit hohen Gewinnen sollen Vertrauen schaffen. Genau dieses Vertrauen wird gezielt ausgenutzt.

Besonders problematisch ist, dass sich Betrugsversuche heute kaum noch an Sprache oder Stil erkennen lassen. Dank moderner KI schreiben Cyberkriminelle fehlerfreies Deutsch und glaubwürdiges Schweizerdeutsch. Dialekt, Emojis und ein vertrauter Ton vermitteln Sicherheit, wo keine ist.
Der Betrug ist plattformübergreifend organisiert
Viele gehen davon aus, dass solche Maschen auf Instagram beschränkt sind. Das ist falsch. In mehreren Fällen werden die gleichen betrügerischen Inhalte zusätzlich auf TikTok, Facebook oder anderen sozialen Netzwerken verbreitet.
Teilweise schalten die Täter sogar bezahlte Werbung. Diese Anzeigen verweisen auf angebliche Erfolgsgeschichten, kurze Videos mit hohen Gewinnen oder externe Plattformen für Krypto-Investitionen. Die Kombination aus gehackten Profilen und Werbung erhöht die Reichweite massiv und vermittelt den Eindruck von Seriosität.

Wer einen bekannten Namen oder ein vertrautes Gesicht mehrfach sieht, hinterfragt den Inhalt seltener. Genau darauf zielt diese Strategie ab.
Warum gerade Freunde und Bekannte betroffen sind
Betroffen sind nicht nur bekannte Persönlichkeiten oder Unternehmen. Auch private Konten mit wenigen Kontakten geraten ins Visier. Entscheidend ist das persönliche Vertrauen im Umfeld. Wenn ein guter Freund, eine Kollegin oder ein Familienmitglied etwas empfiehlt, sinkt die Vorsicht deutlich.
Cyberkriminelle analysieren Profile sehr genau. Sie übernehmen Schreibstil, Wortwahl und Gewohnheiten. Dank KI gelingt das heute sehr präzise. Selbst Nachrichten auf Schweizerdeutsch wirken authentisch, obwohl sie vollständig automatisiert erstellt wurden.
So läuft der Betrug typischerweise ab
Der Angriff erfolgt meist in zwei klaren Phasen. Zuerst wird das Konto übernommen, danach wird es systematisch für Betrug genutzt.
Nach der Übernahme ändern die Täter umgehend Passwort und E-Mail-Adresse. Häufig aktivieren sie anschliessend selbst die Zwei-Faktor-Authentisierung, um die rechtmässigen Besitzer auszusperren. Danach beginnen sie, Inhalte zu veröffentlichen, Direktnachrichten zu versenden oder Werbung zu platzieren.
In Stories, Chats und Kurzvideos wird für unseriöse Krypto-Plattformen geworben. Mithilfe von KI werden gefälschte Videos, Sprachnachrichten oder Testimonials erstellt. Auch auf TikTok werden kurze Clips eingesetzt, die schnelle Gewinne zeigen und gezielt auf externe Seiten verlinken.
Die häufigsten Wege zur Kontoübernahme
In den meisten Fällen wird nicht technisch gehackt, sondern psychologisch manipuliert. Zwei Methoden treten besonders häufig auf.
Der Wettbewerbs-Trick
Ein bekannter Kontakt bittet um Unterstützung bei einem angeblichen Online-Wettbewerb. Der Link führt auf eine gefälschte Login-Seite, die Instagram oder Facebook täuschend ähnlich sieht. Wer dort seine Zugangsdaten eingibt, verliert die Kontrolle über das Konto.
Der Sicherheitscode-Trick
Ein Freund meldet sich scheinbar in einer Notlage und bittet um einen Code. Im Hintergrund hat der Angreifer die Passwort-Zurücksetzen-Funktion ausgelöst. Der per SMS empfangene Code ist der direkte Zugang zum eigenen Profil. Auch diese Nachrichten werden zunehmend auf Schweizerdeutsch verfasst.

Warum Krypto-Betrug besonders erfolgreich ist
Kryptowährungen wirken für viele Menschen kompliziert und gleichzeitig attraktiv. Versprechen von schnellem Gewinn treffen auf Unsicherheit und Neugier. Wenn diese Versprechen von vertrauten Profilen stammen, im Dialekt formuliert sind und zusätzlich als Werbung auf TikTok oder anderen Plattformen erscheinen, sinkt die Hemmschwelle weiter.
Zeitdruck verstärkt den Effekt. Kurze Videos, Stories oder Anzeigen suggerieren, dass man sofort handeln müsse. Genau das macht den Betrug so wirkungsvoll.
Zwei-Faktor-Authentisierung ist unverzichtbar
Die Zwei-Faktor-Authentisierung ist keine Komfortfunktion, sondern eine grundlegende Sicherheitsmassnahme. Sie verhindert viele Kontoübernahmen, selbst wenn Zugangsdaten abgegriffen wurden.
Wichtig ist eine korrekte Einrichtung mit einer Authenticator-App. Sicherheitscodes dürfen niemals weitergegeben werden. Weder Freunde noch Plattformbetreiber verlangen danach. Das gilt unabhängig davon, ob die Anfrage per Chat, Video oder Werbung erfolgt.
Was ihr konkret tun solltet
Mit einfachen Regeln lässt sich das Risiko deutlich reduzieren:
- Zwei-Faktor-Authentisierung aktivieren und regelmässig prüfen
- Keine Passwörter oder Sicherheitscodes weitergeben
- Links und Werbung auf Social Media immer kritisch hinterfragen
- Bei ungewöhnlichen Anfragen ausserhalb der Plattform nachfragen
- Verdächtige Inhalte auf Instagram, TikTok und anderen Netzwerken melden
Wenn ein Konto übernommen wurde, ist schnelles Handeln entscheidend. Meldet den Vorfall sofort der Plattform und informiert euer Umfeld.
Sprache und Plattform sind kein Sicherheitsmerkmal mehr
Das Hauptproblem ist nicht die Technik, sondern menschliches Vertrauen. Gehackte Instagram-Profile und ergänzende Werbung auf TikTok oder anderen Plattformen funktionieren, weil sie Vertrautheit vortäuschen. Dank KI ist selbst Schweizerdeutsch kein Hindernis mehr für Betrüger.
Wer sich dieser Mechanismen bewusst ist und konsequent vorsichtig bleibt, reduziert das Risiko deutlich.