– wie Kinder online ins Visier geraten und was jetzt zu tun ist!
Für die, die keine Zeit haben: 24 % aller Kinder werden online sexuell kontaktiert. Mit klaren Regeln, offenen Gesprächen und konsequentem Melden lässt sich Cybergrooming verhindern.

Cybergrooming ist längst keine Ausnahme mehr. Fast jedes vierte Kind und Jugendliche zwischen 8 und 18 Jahren wurden bereits online sexuell angesprochen – Tendenz steigend. Täter nutzen dabei Chats, Games und soziale Netzwerke, um gezielt Vertrauen aufzubauen. Mit digitalen Ködern wie Lob, Geschenken oder In-Game-Währung beginnen sie Gespräche, die innerhalb weniger Minuten sexuelle Untertöne annehmen können. Der aktuelle Bericht der Tagesschau.de gibt tiefe Einblicke in diese Mechanismen. Cybergrooming verhindern heisst, diese Muster zu erkennen, Schutzbarrieren zu errichten und digitale Räume aktiv mitzugestalten.
Was genau passiert beim Cybergrooming?
Der Begriff beschreibt die gezielte Kontaktaufnahme von Erwachsenen zu Minderjährigen mit sexueller Absicht. Der Ablauf ist oft ähnlich: Zuerst der Aufbau einer scheinbar harmlosen Freundschaft. Dann das gezielte Isolieren des Kindes. Es folgen schrittweise sexuelle Inhalte – schliesslich Erpressung durch sogenannte Sextortion. Sextortion heisst: Die Täter drohen beispielsweise, vertrauliche Informationen oder Bilder zu veröffentlichen, sollte das Kind nicht „kooperieren“. Besonders perfide: Viele Täter geben sich als Gleichaltrige aus oder nutzen künstliche Intelligenz, um real wirkende Fake-Profile zu steuern.
Die Zahlen sind alarmierend
Laut einer aktuellen Studie der Landesanstalt für Medien NRW (Nordrhein Westfalen) sind 24 % der befragten 8- bis 18-Jährigen bereits online sexuell angesprochen worden. Bei den unter 14-Jährigen sind es 16 %. Zwei Drittel wünschen sich mehr Aufklärung – in der Schule, zu Hause oder in Jugendtreffs. Gleichzeitig fehlt es an klaren digitalen Schutzkonzepten. Viele Plattformen setzen auf Mindestalter, ohne diese wirksam zu überprüfen. Auch Moderationsmechanismen greifen oft zu spät oder gar nicht.

Im Jahr 2022 sind Minecraft (17.1%) und Call of Duty (12.1%) die Online-Games, die Cyber-Groomer am häufigsten nutzen, um Jugendliche anzuschreiben.

Wie Kinder geschützt werden können
1. Schutzmechanismen aktivieren
Jugendschutzfilter, Datenschutzeinstellungen und Kontaktbeschränkungen auf „nur Freunde“ stellen erste technische Hürden. Sie ersetzen aber keine aktive Begleitung.
2. Medienkompetenz stärken
Kinder müssen wissen, dass sie bei unangenehmen Online-Erlebnissen nie allein sind – egal, was ihnen angedroht wird. Offene Gespräche senken die Scham und geben Handlungssicherheit.
3. Warnzeichen erkennen und ernst nehmen
Plötzlicher Rückzug, heimliches Verhalten am Handy, neue „Online-Freunde“ mit vagem Profil: Das können Hinweise auf Grooming sein. Frühes Eingreifen schützt vor Eskalation.
4. Klare Notfallwege definieren
Ein internes Codewort kann ausreichen, um schnell Hilfe zu holen. Wichtig ist auch: Screenshots machen, Chats sichern, niemals löschen – und den Vorfall konsequent melden.
Rolle von Schule und Jugendarbeit
Cybergrooming muss verpflichtender Bestandteil der digitalen Bildung werden. Mindestens zwei Lektionen pro Jahr sollte dem Thema gewidmet sein – mit echten, anonymisierten Fallbeispielen. Peer-Education-Ansätze, bei denen ältere Schüler ihr Wissen an Jüngere weitergeben, erhöhen die Akzeptanz und Wirksamkeit. Zudem braucht es klare Meldeketten: Vertrauenslehrpersonen, Schulsozialarbeit oder Online-Meldestellen wie ClickandStop.ch müssen bekannt und erreichbar sein.
Was Jugendliche selbst tun können
- Keine Klarnamen oder privaten Infos in Nicknames verwenden.
- Instagram– und TikTok-Profile nicht öffentlich betreiben.
- Standortfreigabe und Geotagging deaktivieren.
- Niemals intime Bilder oder Videos teilen – auch nicht im „Vertrauen“.
- Wenn ein Gespräch komisch wird: Screenshot, Blockieren, Hilfe holen.
Meldestellen & Strafverfolgung
Betroffene sollten sich nicht scheuen, Vorfälle zu melden:
- clickandstop.ch – die Online-Meldestelle gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen
- Polizei in Ihrem Kanton
- Opferhilfe Schweiz
- 147.ch
- Meldebutton in Apps wie Instagram, TikTok, Snapchat oder WhatsApp
Jede Meldung hilft, Täter zu identifizieren und Netzwerke zu zerschlagen.
Cybergrooming verhindern ist gemeinsame Aufgabe
Technik allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, dass alle Beteiligten – Eltern, Schulen, Plattformen und Jugendliche selbst – Verantwortung übernehmen. Es braucht digitale Zivilcourage, kritische Reflexion und konsequente Meldung von Übergriffen. Nur so entstehen Räume, in denen Kinder und Jugendliche sicher aufwachsen können – online wie offline.
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